Hast Du Dich mal gefragt, wie Yoga und das Älter werden zusammen passen? Ich merke in den letzen Jahren eine deutliche Veränderung. Mein Körper, meine Gedanken, mein ganzes Sein sind nicht mehr darauf gepolt, alles mitmachen zu müssen. Perfekt sein zu müssen und jung sein zu wollen. Ich genieße das älter werden in  vollen Zügen mit einem Yoga das zu mir passt und nicht unbedingt immer genauso ist wie noch  vor ein paar Jahren.

Elena Lustig, Yogalehrerin bei YogaMeHome und Buddhistin hat Pro Age Yoga konzipiert und ein Buch darüber veröffentlicht. Und Du kannst ein Exemplar gewinnen! (Näheres dazu am Ende des Beitrages)

yogalehrerin-blog-sunita_ehlers
Fotoquelle: Maria Schiffer Portraits

Ich habe Elena einmal für Euch ausgefragt.

 

  • Du bist Yogalehrerin, Buddhistin, Coach und Mutter.  Mich erinnert Dein Lebenslauf im Übrigen ein wenig an meinen eigenen. Wie verbindest Du Yoga und Buddhismus mit Deiner Familie?

 

Elena:

Ich lebe einfach das, was ich bin. Meine buddhistische und yogische Praxis ist Teil meines Alltags und dadurch inspiriere ich meine Familie. Meine Schwester ist schon lange eine entspannte Yogini, mein Sohn hat zumindest in der Grundschule freiwillig (!) Yoga gemacht, und mein Mann geht seit vielen Jahren mit mir auf buddhistische Retreats. Vor 3 Jahren hat ihn das Yoga-Fieber sogar richtig gepackt und er ist inzwischen konsequenter als ich.

 

  • Wie bist Du auf die Idee gekommen, aus der Verbindung von Yoga und Buddhismus ein neues Konzept ProAgeYoga® zu entwickeln?

 

Elena:

Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit dem Thema Vergänglichkeit und Tod. Nach einem Traum über den Tod meiner Mutter landetet ich 1999 in meinem ersten buddhistischen Retreat über bewusstes Sterben. Das hat mein Leben verändert. Seitdem habe ich keine Angst mehr vor dem, was kommt, wenn wir älter werden und irgendwann selbst sterben. Alles, was ich im yogischen und buddhistischen Kontext über Vergänglichkeit gelernt habe, all die klugen Ansätze und die tiefe und weise Philosophie dahinter, haben mich sehr inspiriert. Mein großer Wunsch ist es, diese Erfahrung mit möglichst vielen Menschen zu teilen, um ihnen die Sorgen und Nöte des Älterwerdens zu erleichtern. Außerdem braucht unsere Gesellschaft dringend einen anderen Blick auf Menschen in der 2. Lebenshälfte. Das wird sich aber nur ändern, indem wir es selbst in die Hand nehmen!

 

  • Hast Du das Gefühl, das die Menschen ihr Älterwerden heutzutage schwerer nehmen. Bedingt durch die Social Media Kanäle, die medizinischen Möglichkeiten wir alle das Gefühl haben, wir müssten schneller, beweglicher, schöner, jünger und faltenfreier sein?

 

Elena:

Genau das ist das Problem: Social Media schafft ohnehin ein künstliches Abbild der Realität. Dazu kommt, dass gerade der Yoga-Bereich extrem hedonistisch geworden ist. Es geht in der Welt der schönen Bilder nur noch darum, sich möglichst sexy in tollen Posen an interessanten Locations zu präsentieren und sich dabei gut zu fühlen. Das ist aber nicht Yoga. Yoga bedeutet, mit dem Geist zu arbeiten. Die Yoga-Asanas sind nur Mittel zum Zweck, um schmerzfrei sitzen und meditieren zu können. Ein straffer Yoga-Körper ist sozusagen ein super Nebeneffekt, der nicht nur auf Social Media zum Synonym für Yoga geworden ist.

Unsere Gesellschaft gibt der Jugend einen höheren Wert als dem Alter, dadurch erscheint uns das Älterwerden wie ein Defizit in das wir immer mehr hineinrutschen. Wir werten uns selbst ab, weil wir denken, dass wir nicht mehr mithalten können. Wir sind leider sehr darauf geschult, die vermeintlichen Defizite in unserem Leben mit Energie zu versorgen. Dabei ist Anti-Aging keine Strategie: Wir können das Altern nicht bekämpfen. Stattdessen sollten wir den Fokus auf das lenken, was im Älterwerden gut ist oder sogar besser wird. Unser Geist kann sich immer weiter entwickeln, auch wenn der Körper nachlässt. Um die körperlichen Herausforderungen auszugleichen, ist Yoga das Zaubermittel. Es macht uns offener, klarer, stärker, flexibler, entspannter und wir sehen sogar auch noch besser aus! Dann können wir uns das Geld für Botox sparen. Faltenfreiheit wird meiner Meinung nach stark überschätzt.

 

 

  • ProAgeYoga® erinnert mich ein wenig an meine eigenen Stunden, in denen ich Yoga & Ayurveda miteinander verbinde. Diese beiden Schwesternphilosophien vermitteln durch den harmonischen Ausgleich der Elemente und der Doshas eine ganz natürliche Weise der Weiblichkeit, des Gesund-Lebens und der Annahme des Natürlichen. Dieses beinhaltet auch das natürliche Älterwerden. Hast Du das Gefühl, eher Männer oder eher Frauen „kämpfen“ mit diesem Thema?

 

Elena:

Ich glaube, dass sich der „Kampf“ mit dem Älterwerden bei Männern und Frauen unterschiedlich ausdrückt und auch unterschiedliche Gründe hat. Aber für beide ist dieser Prozess natürlich ein Thema.

Bei Männern ist Reife ein Wert, bei Frauen eher nicht. Frauen haben in den Augen der meisten Männer vor allem dann einen Wert, wenn sie jung und fruchtbar sind. Außerdem werden Frauen Zeit ihres Lebens viel mehr über ihr Äußeres beurteilt, als Männer und zwar auch von anderen Frauen. Und sie beurteilen sich selbst auch viel strenger. Je stärker sich eine Frau über ihr Aussehen definiert, desto schwerer wird es für sie zu akzeptieren, dass sie sich verändert. Dabei ist das Wesen der Welt Veränderung. Ich will nicht sagen, dass Männer nicht auch auf ihr Äußeres Wert legen, aber bei Männern spielt das Aussehen eine eher untergeordnete Rolle. Auch Männer kämpfen mit körperlichen Veränderungen, wie Gewichtszunahme, Glatze und nachlassender Potenz, aber sie können beim Älterwerden auch deshalb gelassener bleiben, weil ihre Fruchtbarkeit an kein „Verfallsdatum“ geknüpft ist. Sie können auch im hohen Alter noch Kinder zeugen – allerdings nur mit deutlich jüngeren Partnerinnen. Der „Markt“ an verfügbaren Frauen wird für Männer im Alter größer, für Frauen wird es dagegen immer schwerer, einen Partner zu finden. Das ist zumindest meine Beobachtung. Die Währung für Frauen ist Jugend, Schönheit und Attraktivität, für Männer ist es Erfahrung, Reife und Macht (Geld). Wenn man diese Attribute umkehrt, wird deutlich, wie weit das Älterwerden und seine Herausforderungen bei Frauen und Männer auseinanderklafft. Zum Beispiel sind wir beim Thema Wechseljahre darauf trainiert das zu sehen, was zu Ende geht: die fruchtbare Phase im Leben einer Frau. Dass aber ab den Wechseljahren eine ganz neue Lebensphase beginnt, in der Frauen viel selbstbestimmter und freier leben können, wird oft ausgeblendet. Wechseljahre sollten gefeiert werden, weil sie Veränderung repräsentieren.

 

 

 

  • Wo vermittelst Du Dein Konzept, ich habe auf Deiner Seite dazu (abgesehen von dem Buch) nichts gefunden?

 

Elena:

Ich entwickele gerade ein ProAgeYoga Webinar, in dem ich Menschen dabei unterstütze, authentisch und selbstbewusst älter zu werden. Wir können durch unsere innere Haltung unser Leben nachhaltig verändern. Mein Coaching- und Yogaprogramm bietet einen individuellen Zugang zu den Themen: Körper, Geist, Mindset, Yoga, Meditation, Pranayama und Ernährung. Ein ganzheitlicher Ansatz, der sich auf unsere Ressourcen konzentriert. Außerdem biete ich Retreats und Workshops zum Thema ProAgeYoga an. Mit YogaMeHome habe ich Yoga-Sequenzen aufgenommen, die sowohl in meinem Programm, als auch bei YogaMeHome abrufbar sein werden. Und es gibt eine Facebook-Gruppe, in der wir Fragen diskutieren wie: Ab wann werden wir älter? Und wann ist der richtige Zeitpunkt, sich damit zu beschäftigen und die richtigen Weichen zu stellen? Was macht uns am meisten Sorgen? Wo liegen die Herausforderungen des Älterwerdens und wie können wir ihnen am besten begegnen?

Diese Gruppe wird eine echte ProAge Community: interaktiv, individuell, kritisch, inspirierend, weiterführend.

 

  • Als Bloggerin interessiert mich sehr, ob Du das Gefühl hast, dass durch das Veröffentlichen Deiner Bücher sich noch einmal alles für Dich verändert hat. Bzw. Wie setzt Du Dich an das Schreiben eines neuen Buches, wieviel Zeit planst Du dafür ein, wie lange dauert es bis zur Veröffentlichung?

 

Elena:

Mit meinem ersten Buch „Innen.Aussen“ (Ko-Autorin Annette Söhnlein) habe ich mich warmgelaufen. Das war eher ein interessantes Projekt, das aus meiner Arbeit als Yogalehrerin und Retreat-Leiterin entstanden ist. Danach wollte ich eigentlich nie wieder ein Buch schreiben, weil das so viel Arbeit ist und echt Kraft gekostet hat.

 

ProAgeYoga ist das Ergebnis meiner letzten 25 Jahre und viel persönlicher. Es war für mich einfach interessant, mir als Frau, Mutter, Partnerin und Yogalehrerin dabei zuzuschauen, wie ich selbst mit dem Älterwerden umgehe. Und ich habe festgestellt, dass viele Menschen damit mehr Probleme haben, als ich. Mein eigener Weg als Buddhistin und Yogini, meine Erfahrungen mit Sterbebegleitung und Geburt, alles das führte zu der Idee, mich noch mal auf den Schreib-Trip einzulassen. Vor ungefähr 2 Jahren schickte ich dann eine grobe Buch-Idee an meine Lektorin Susanne Klein vom Kamphausen-Verlag. Sie hat mich sehr ermutigt weiterzumachen und dann ging alles ganz schnell: Konzept, Vertrag, Designer, Fotograf*Innen usw – ich habe wirklich ein ganz tolles Team! Da ich eine Perfektionistin bin, lege ich großen Wert auf ein gutes Design, was den Entstehungsprozess natürlich etwas in die Länge zieht, sich aber sehr lohnt. Ob sich durch das Buch etwas ändern wird, kann ich noch nicht sagen. Ich hoffe sehr, dass es viele Menschen erreicht und inspiriert und natürlich freue ich mich extrem über Feedback. Ich weiß ja nicht, wie das, was ich da so vor mich hinschreibe, von Menschen aufgenommen wird, die in ihren ganz eigenen Themen stecken. Daher ist das Schreiben immer erst mal ein etwas einseitiges Erlebnis, das hoffentlich bald zu einem Dialog wird!

 

  • Wie sind die 10 Werte des ProAgeYoga® entstanden? 

:*

Elena:

In meinem Buch ProAgeYoga gibt es am Ende eine Anti-Age versus Pro-Age Aufstellung. Ich habe mir einfach die gängigen Haltungen zum Thema Älterwerden angeschaut und dabei festgestellt, wie negativ und abwertend sie zum Teil sind. Dann habe ich mich gefragt, wie ich aus einem „Dagegen-Sein“ eine positive Haltung ableiten kann. So kam ich auf die Werte von ProAgeYoga. Ein Beispiel:

Anti-Age: Alt zu werden, bedeutet, dass alles zu Ende ist.

Pro-Age: Älter zu werden, bedeutet, Erfahrung und Weisheit anzusammeln.

So können wir schon allein durch unsere Betrachtungsweise eine ganz andere Energie entwickeln.

 

  • Meiner Erfahrung nach (so ist es zumindest beim Ayurveda) spüren die Menschen schnell, dass es ihnen guttut. Die Umsetzung dann im Alltag dauert allerdings ein wenig. Stück für Stück muss Gelerntes und neu Erfahrenes in den Alltag integriert werden. Unser Geist braucht dafür Zeit. Er spielt uns mit seinem alten Wissen, den Gewohnheiten und tief in uns verwurzeltem (alten) Glaubenssätzen oft Streiche. Er lässt uns straucheln. Neues und spürbar Gutes zu leben. Obwohl wir merken, das uns bestimmte Speisen oder Abläufe nicht gut tun wiederholen wir sie immer und immer wieder, bis wir es geschafft haben neue Gewohnheiten zu leben. Wie ist das bei Deinem Konzept? Schaffst Du es, komplett danach zu leben und zu denken oder gibt es in Deinem Alltag Situationen, die Dich hindern daran zu glauben und zu spüren das alles gut ist wie es ist. Wie holst Du Dich zurück zu dem wovon Du überzeugt bist.

 

Elena:

Veränderung braucht immer Zeit. Unser Gehirn hat unsere Gewohnheiten trainiert und abgespeichert. Je öfter wir sie wiederholen, desto fester und tiefer sitzen sie. Wir können allerdings alle Gewohnheiten ändern. Wir brauchen dafür aber Willen, Zeit, Durchhaltevermögen, realistische Ziele und eine gute Anleitung und Begleitung. Für mich ist wichtig, dass ich mich gut fühle. Das schaffe ich, indem ich achtsam bin: wie geht es mir heute, wie geht es meiner Familie, meinen Freunden. Wer braucht was und wie kann ich für andere da sein, ohne mich selbst zu vergessen? Meine Yoga-Praxis und gesunde Ernährung sind für mich selbstverständlich. Dazu muss ich mich nicht zurückholen. Da bin ich schon – weil ich es seit Jahren nur so kenne. Aber natürlich feiere ich auch gerne mal, trinke Wein, rauche auch ab und zu eine Zigarette (uuups). Für mich ist das Leben eine Wundertüte und ich schließe nichts aus. Gerade die Glaubenssätze und Konzepte, die die „richtige“ Lebensweise propagieren, finde ich oft bedenklich: was für mich richtig ist, muss für jemand anderen noch lange nicht stimmen. Wir sind einzigartige Wesen mit unseren eigenen Geschichten und unseren eigenen Potentialen. Und wir tragen alles in uns, was wir zu unserem Glück und unserer Entfaltung brauchen.

 

 

Gewinnspiel: Du kannst eines dieser tollen Exemplare gewinnen. Sag mir hier, was Du mit dem Älter werden verbindest. Und vor allem, wie passt Yoga dazu? Kommentare bis 01.09.2019 (18:00)

 

Deine Sunita

Weitere Infos zu Elena findest Du hier. 

*Affilate Link

*Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Kooperation entstanden

7 Comments

  1. Für mich ist Älterwerden gar nichts Schlimmes. Manchmal erschrecke ich, wenn ich an mein aktuelles Alter erinnert werde; ich fühle mich noch gar nicht so.
    Yoga hilft natürlich einerseits auf der körperlichen Ebene, beweglicher, besser durchblutet, gesünder zu bleiben.
    Aber auch auf der mentalen Ebene lässt Yoga mich gleichmütig meinem Älterwerden gegenüberstehen. Alles ist gut, so wie es jetzt gerade ist.

  2. Ich dachte immer dass ich das Älterwerden sehr leicht nehmen würde, aber weit gefehlt. Es fällt mir tatsächlich sehr schwer. Was vor allem damit zusammenhängt dass die Zeit gefühlt immer schneller vergeht und meine Kinder so so schnell groß werden bzw. groß geworden sind und das loslassen einfach nicht meine Stärke ist. Und genau dabei das nicht nur zu akzeptieren, sondern das Gute daran, älter werden zu dürfen, zu sehen, hilft mir Yoga ungemein.

    1. Oh ja, das geht mir ganz genauso. Ich kann es so gut verstehen. Vor allem spürt man den Unterschied zu den Kids so stark und sieht sie so schnell wachsen. Lieben Dank für Diesen Kommentar und die Erinnerung, das Leben JETZT zu leben. Deine Sunita

  3. Das Älterwerden empfinde ich an sich nicht schlimm. Was mir Angst macht ist die Kontrolle über meine Gesundheit und Bewegung zu verlieren. Menschen um mich herum zu verlieren. Mit Yoga verbinde ich Gelassenheit. Frieden mit sich und den Umständen zu erlangen. Das fällt mir schwer. Und ich möchte im Alter weiser und klüger werden, um anderen helfen zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.