Yoga ist das zur Ruhe bringen des Geistes

Tausende Jahren alt, immer noch bedeutend und von unglaublichem Wert für die Yoga Welt. Das Yoga Sutra des Patanjali besteht aus 195 Versen, in sich kurze und prägnante Sutren, die allein gesprochen – ohne Erklärung dazu – nur schwer zu (be-)greifen sind. Patanjali beschreibt in den Versen knapp worum es aus seiner Sicht im Yoga geht, im weiteren Text geht er dann detailliert darauf ein. Dies ist das wohl bekannteste und fundierteste Werk über Yoga und darüber wie Yoga zu verstehen ist. Als Sutra wird der gesamte Text verstanden, aber auch jeder einzelne Vers aus dem Buch.

Allen voran einmal kurz zur Erklärung, Yoga ist nicht mit Hinduismus gleichzusetzen, vielmehr behandeln die Yoga Sutra den Glauben an Gott sehr frei. Es geht hier maßgeblich darum, einen Glauben zu entwickeln, dieser ist aber nicht zwingend an einen oder mehrere Götter gebunden. Die Verse, die Patanjali aufzeigt haben keine eins-zu-eins-Übersetzung, daher kann es auch sein, das Du in unterschiedlichen Lektüren ganz unterschiedliche Sichtweisen dazu findest, die Sutren werden interpretiert und da jeder durch ganz individuelle Erfahrungen geprägt ist, werden die Sutren auch entsprechend individuell interpretiert. In den Sutren geht es darum, den Geist den wir haben zu entwickeln, ihn in seiner einzigartigen Dimension wahrzunehmen und auszuschöpfen, was uns gegeben ist. Glück, Zufriedenheit, Gelassenheit können erreicht werden wenn wir Störfaktoren die unseren Geist unruhig machen.

Im ersten Kapitel des Yoga Sutra geht es um die Erleuchtung – Samadhipadah. Patanjali definiert hier was er unter Yoga versteht und das unser Geist nicht immer gleich nicht immer in der gleichen Art und Weise aktiv ist und somit mit einer positiven Veränderung der Zustand von innerer Ruhe und Glückseligkeit erlangt werden kann.
Die ersten beiden Verse sind die wohl berühmtesten und besonders wichtig. Sie beantworten die Frage Was Yoga ist und wie Patanjali es definiert. In diesem Beitrag gehe ich auf den Vers 1.2

yogaś-citta-vr̥tti-nirodhaḥ  

 योगश्चित्तवृत्तिनिरोधः

Yoga ist das zur Ruhe bringen  der Gedanken im Geistes ein.

Frei übersetzt bedeutet es Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedanken im Geiste und setzt sich aus den Wörtern wie folgt zusammen
yogas = yoga
citta = die Gedanken
vr̥tti = der mentale und bewegliche Zustand der Gedanken, Gedankenwellen
nirodhaḥ = Ruhe finden, kontrollieren, zur Ruhe bringen

yogaś-citta-vr̥tti-nirodhaḥ

Patanjali beschreibt wie man den Zustand erreicht und was es für Möglichkeiten gibt, diesen Zustand dann zu erreichen. Du kannst in den Sutren dazu lesen, das die Fähigkeit, sich ausschliesslich auf einen Gegenstand, eine Sache, eine Frage, einen Inhalt oder eine Emotion konzentrieren zu können und hier dann ohne Ablenkung verharren zu können, das bedeutet Yoga. Es kann hier ein konkreter Gegenstand gemeint sein, es kann aber auch sein, das es sich um etwas von uns selbst handelt. Ein Gedanke, eine Emotion oder einer Frage die uns beschäftigt, hier verweilen zu können, das bedeutet Yoga.

Du kannst hier gut erkennen, das Yoga viel mehr bedeutet als die Asanas zu turnen, es geht nicht darum, wie Du in einer Asana aussiehst oder wie tief Du hinein kommst, es geht vielmehr darum das Du innerhalb des Turnens / des Praktizierens dann auf diese Sache vollkommen konzentriert sein kannst.

Im Yoga Sutra des Patanjali wird der Geist des Menschen mit einem Monkey Mind verglichen, der herumspringt und turnt ohne einen Augenblick ruhig sein zu können. Er springt von Ast zu Ast, ist unruhig und unbeständig und so ist unser Geist auch – es sein denn, wir trainieren ihn!
Es gilt hier also die Unruhe im Geiste in Ruhe zu verwandeln. Was allerdings nicht bedeutet das diese Ruhe dann mit Leere gleichzusetzen ist. Nein, Ruhe bedeutet das diese Ruhe sich gut anfühlt, sie ist gefüllt aber dennoch ruhig, sie ist ganz bewusst ausgesucht und nicht leer oder unaktiv. Diese Qualität im Geiste wollen wir also mit Yoga erreichen, sie hilf uns dabei, Dinge oder Situationen in einem anderen, einem klaren Licht zu sehen, sie besser verstehen zu können und wie das gehen soll, ist in der Theorie schon nicht ganz einfach, in der Praxis auch nicht. ABER es ist erstrebenswert und mit Yoga machbar.

Wie wir es schaffen, unseren Monkey Mind zu beruhigen

Das zur Ruhe bringen der Gedanken im Geiste ist als Prozess gemeint, es ist nicht die Praxis des Yoga, sondern vielmehr das Ergebnis der Praxis. Denn genau wie so oft im Leben, je mehr wir uns auf etwas ausrichten umso lauter wird es erst einmal. Hier gilt es das wir nicht darum kämpfen sollen, die Gedanken zur Ruhe bringen, denn Druck bringt Gegendruck und genau das wollen wir nicht. Daher lernen wir durch Achtsamkeit, durch Asana Praxis und Pranayama Praxis unsere Aufmerksamkeit auszurichten, sodass die Gedanken zwangsläufig zur Ruhe kommen. Ein liebevoller Prozess der in Gang gebracht wird, sobald wir auf der Matte sind. Die Asana Praxis und die Meditation helfen Dir dabei. Durch die vollkommene Konzentration auf die Atmung, die Asanas und das zurückziehen der Sinne am Beginn und am Ende einer jeden Yoga Stunde wird unser Geist trainiert sich zu konzentrieren. Manchmal sind die Stunden so voller Dynamik, dass Du gar nicht an etwas anderes Denken kannst als an die Asana oder an die Atmung. Der Lehrer erinnert Dich daran, zu atmen, gleichmäßig im Rhythmus und daran zu versuchen an gar nichts zu denken. All das hilft Dir in dem Prozess Dich zu entwickeln. Deinen Geist ruhig und klar halten zu können. Die Asanas an sich bringen Deinem Körper Kraft und Geschmeidigkeit, Dein Körper wird gestärkt und gekräftigt aber auch gedehnt und gelockert. Dieses unterstützt den Prozess maßgeblich.
In Meditationen lernst Du Dich auf eine Sache, einen Gedanken oder auf gar nichts zu fokussieren. Hier wird der Geist trainiert zur Ruhe zu kommen und in Verbindung mit der Praxis hast Du hier ein großartiges Werkzeug an der Hand Dich klar und ruhig zu bekommen. Vollkommen ohne Druck und jeder in seinem Tempo.

Weiterhin erkennst Du hier ganz eindeutig, das die Sutren, so kurz sie auch sein mögen, dennoch eine enorme Aussagekraft haben. Nicht nur das ein so einprägsamer Satz so viel aussagen kann, vielmehr bewundernswert das es nach all den Jahren immer noch genauso von Bedeutung ist wie damals.

Jedes Sutra ist ganz individuell zu betrachten, hilft Dir im Leben einen Glauben aufzubauen und darüber nachzudenken, was Du eigentlich im Leben willst oder wo Du im Leben hinwillst.

yogaś-citta-vr̥tti-nirodhaḥ

In meinen Augen so erstrebenswert wie kaum etwas anderes, denn ein ruhiger Geist hat soviel mehr vom Leben als einer der immer hin und her hüpft oder einer der sich viel zu viele Gedanken macht um Dinge die nicht zu verändern sind. Ein ruhiger Geist gibt viel Kraft und Zuversicht, er hilft Dir in schweren Situationen einen klaren Geist zu bewahren, er hilft Dir aber auch in schönen Situationen die Dinge viel klarer zu erkennen und genießen zu können, ohne abgelenkt zu sein.

Namastè Deine Sunita